DEN ÜBERGANG INS LEBEN VORBEREITEN: DIE OBERSTUFE.

In den drei Jahren der Oberstufe (8. bis 10. Klasse) arbeiten wir in jahrgangsunabhängigen Gruppen, um besser auf die Neigungen und Eignungen der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können.
In der Oberstufe werden nach und nach diejenigen Fähigkeiten ausgebildet und eingeübt, die für die Berufssuche und die anschliessenden Ausbildungsorte wichtig sind. Dazu gehören unter anderem: Kreatives Arbeiten, Urteils- und Handlungskompetenz, Dialogfähigkeit, Erkennen von Zusammenhängen, Emotionale Intelligenz.

Der berufskundliche Unterricht hilft zur Klärung des weiteren Weges. Dazu gehört auch unsere Zusammenarbeit mit der IV-Berufsberatung, damit wir für jede Schülerin und jeden Schüler die richtigen Anschlussvarianten anbieten können.

Berufsfindung - Ausbildungsmöglichkeiten
Wenn unsere Schülerinnen und Schüler mit dem 8. Schuljahr in die Oberstufe kommen, stellt sich früher oder später für jeden die Frage, wie es nach der Schule weitergehen soll. Sie müssen sich Fragen stellen wie: „Was mache ich nach der Schule, welche Ausbildung will oder kann ich machen, welchen Beruf möchte ich erlernen?“ Jeder Jugendliche muss hierauf seine individuelle Antwort finden, und dies unter manchen Rahmenbedingungen, die von aussen vorgegeben sind und die das Finden einer richtigen Antwort nicht erleichtern. Damit er diesen Berufsfindungsprozess besser bewältigen kann, findet in der Oberstufe ein abgestufter Berufswahl-Unterricht statt.
Der erste Schritt des Berufsfindungsprozesses besteht darin, dass sich der Jugendliche über seine eigenen Fähigkeiten klar werden muss. Dies ist mit einer Selbsterfahrung verbunden, die für manchen nicht mühelos verläuft.
Ist der Schüler in diesem Prozess bis zu einem gewissen Punkt gekommen, muss er unter den über 300 möglichen Berufen einen auswählen, der seinen Talenten und Fertigkeiten entspricht und wo ein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht. Dieser Schritt ist relativ zeitaufwändig, und daher beginnt der Berufsfindungsprozess schon im 8. Schuljahr. In dieser Berufswahlvorbereitung machen wir uns gemeinsam auf einen Weg, der zum Ziel hat, dass die Jugendlichen zur gegebenen Zeit bereit und fähig sind, eine Ausbildung zu wählen, die ihren Möglichkeiten entspricht. Am Schluss der Schulzeit stehen dann für jeden zwei bis drei Berufe zur Auswahl, die wirklich in Frage kommen könnten.
Eine grosse Hilfe sind dabei die im 10. Schuljahr stattfindenden Tests und die Gespräche mit dem IV-Berufsberater, die jedem Christophorus-Schüler zustehen. Gemeinsam werden Schnupperplätze gesucht und Ausbildungswege aufgezeigt, die der Eignung der Jugendlichen entsprechen. Welche Ausbildung der Einzelne schliesslich macht, entscheidet aber immer der Jugendliche im Einverständnis mit den Eltern selber.

In den letzten Jahren ist es für unsere Schulabgänger immer schwieriger geworden, einen Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft zu finden. Die Gründe dafür liegen nicht nur im wirtschaftlichen Umfeld, das immer anspruchsvoller wird, sondern auch in den 16-jährigen Jugendlichen selber. Sie sind von der Berufswahlsituation oft überfordert. Sie sind noch nicht so weit, dass sie sich für das, was geschieht, selber verantwortlich fühlen. Es fehlt ihnen die innere Reife, das heisst die Erkenntnis, dass sie jetzt persönlich gefordert sind, Stellung zu beziehen. Sie müssen sich für etwas entscheiden, dessen Folgen sie noch nicht absehen können. Hinzu kommt, dass früher die Anzahl möglicher Berufslehren geringer war und die Auswahl entsprechend einfacher verlief.
Aus diesen Gründen ist es wichtig, die Jugendlichen in ihrem Berufsfindungsprozess intensiv zu unterstützen. Jeder junge Mensch geht hier seinen individuellen Weg, und jeder steht am Ende des 10. Schuljahres an einem anderen Ort, nämlich an seinem eigenen.

Grundsätzlich stehen unseren Schülern und Schülerinnen folgende Ausbildungsplätze offen:

In der freien Wirtschaft:
•    Anlehre oder Attest je nach Beruf (2-jährige Ausbildung mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss).
•    Lehre (3–4-jährige Ausbildung mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss).
•    Vorlehre (einjähriges Praktikum zur Vorbereitung einer Ausbildung).

In einer IV-Ausbildungsstätte (Lehrwerkstatt):
•    Anlehre oder Attest je nach Beruf und Angebot (2-jährige Ausbildung mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss).
•    Berufslehren (3–4-jährige Ausbildung mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss).
•    Anlehre IV-intern (ein- oder zweijährige Ausbildung, Abschluss innerhalb IV-Organisationen anerkannt).
•    Vorlehren  (einjähriges Praktikum zur Vorbereitung einer Ausbildung).
•    Jugendförderkurs (Berufswahljahr mit Schnuppermöglichkeiten).

Weiterführende Schulen:
•    Brückenangebot (einjährige Schule, Vorbereitung für eine Berufslehre).
•    Rudolf Steiner-Schulen der Region (10. bis 12. Schuljahr, Vorbereitung für Berufslehre, Matur etc.).

In den letzten fünf Jahren war die Mehrheit unserer Schulabgänger auf einen betreuten Ausbildungsplatz (IV-Ausbildungsstätte) angewiesen. Nur Einzelne schaffen den Schritt in die freie Wirtschaft oder auf eine weiterführende Schule. In den Lehrwerkstätten der IV werden – wenn immer möglich – Attest- oder Anlehren gemacht, mit dem Ziel, nach der Berufsausbildung einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden. Gut ein Drittel unserer Schüler und Schülerinnen absolvieren eine IV-interne Anlehre und arbeiten später in einer entsprechenden Institution.

Während der letzten zehn Jahre haben wir für alle unsere Schüler und Schülerinnen eine sinnvolle, das heisst ihnen entsprechende Anschlusslösung an die Christophorus-Schule gefunden, und bis auf wenige Ausnahmen haben auch alle nach ihrer Berufsausbildung den Schritt ins Berufsleben geschafft. Das ist nicht selbstverständlich und nur unter grossem Einsatz aller Beteiligten möglich, also den Eltern, Lehrern, Berufsberatern, Lehrmeistern und natürlich den Jugendlichen selber!