Schmieden in der Oberstufe

Im letzten Frühjahr waren unsere Zehntklässler traditionsgemäss auf der Nordseeinsel Juist; im Rahmen eines dreiwöchigen Praktikums arbeiten die Jugendlichen dort im Küstenschutz. Während dieser Zeit hatte die 9. Klasse das Landwirtschaftspraktikum, bei dem sie auf verschiedenen Bauernhöfen aushalfen. Was machten nun die verbleibenden Achtklässler?

Zusammen mit Herrn Schönfelder gestalteten wir die drei Wochen mit Projekten in den Bereichen Kunst, Kultur und Exkursionen. Im Mittelpunkt stand aber eine neue Werkidee: das Schmieden eines Messers. Der geplante Zeitrahmen reichte leider nicht aus, um unser persönliches Messer ganz fertigzustellen, daher arbeiteten wir noch im regulären Unterricht am Holzgriff und an der Lederscheide. Später im Schuljahr schmiedete auch die zweite Gruppe der Zehntklässler ein persönliches Messer.

Wie macht man denn das, ein Messer schmieden? Ist dies in der Christophorus-Schule überhaupt möglich? Wie heiss muss denn das Eisen sein, damit ich es schmieden kann? So oder ähnlich werden Sie sich sicher einige Fragen stellen. Im nachfolgenden Bericht versuche ich darauf eine Antwort zu geben.

Wir durften die Schmiede in der Rudolf Steiner-Schule in Aesch, der Birseckschule, benutzen. Der dortige Werklehrer Urs Heitz hatte mir bei einigen Nachhilfestunden geholfen, mit dem Material wieder vertraut zu werden. Die Achtklässler kamen mit dem Zug zur Birseckschule, da sie direkt hinter dem Bahnhof Aesch liegt.
Das Schmieden einer Klinge

Wir haben uns für ein Messer mit einer Steckangel entschieden, da die Her-stellung der Steckangel für den Anfänger einfacher ist. Die Angel ist der Teil des Messers, der mit dem jeweiligen Griffmaterial den Griff bildet. Bei der Steckangel verschwindet die Angel im Griffstück, während bei der Flachangel die Angel mit zwei Griffschalen belegt wird. Um auf die richtige Schmiede-temperatur zu kommen, erwärmen wir den Stahl langsam unter mehrmaligem Wenden in der Glut gleichmässig, bis er gelb glüht. Er kann dann geschmiedet werden, bis er nur noch dunkel kirschrot glüht. Wird das Werkstück im Feuer zu heiss, verbrennt der Kohlenstoff im Stahl, und er wird dadurch unbrauchbar. Man kann erkennen, dass der Stahl zu heiss wird, wenn er weiss glüht und sich Funken bilden. Der Stahl wird im hinteren Be-reich dünn ausgeschmiedet, um die Angel zusätzlich stärken. Durch das Schmieden wird der Faserverlauf im Stahl nicht unterbrochen. Im Gegenteil tritt durch das intensive Schmieden an der sensibelsten Stelle des Messers, dem Übergang von der Klinge zur Angel, eine zusätzliche Stärkung durch Verdichtung des Stahles ein. Das Absetzen der Angel kann an der Amboss-kante erfolgen. Am Besten geschieht dies im Zusammenspiel von drei Schmieden: Einer hält das Eisen auf den Amboss, der zweite einen grossen Flachhammer, und der dritte schlägt präzise zu. An der Ambosskante wird jetzt die Angel beidseitig nach hinten verjüngt. Zwischendurch muss die Klinge immer wieder gerichtet werden.

Das Formen der Klinge
Um die Klinge in die gewünschte Form zu bringen, wird sie ausgereckt; das heisst, mit der Finne des Hammers wird der Stahl in die gewünschte Rich-tung getrieben und dann wieder mit der Bahn geglättet. Die Form der Klinge wird herausgearbeitet, der Schneidenbereich durch vorsichtige Hammer-schläge geformt. Die Klinge wird dabei zur Schneide verjüngt.
Das Anschmieden der Spitze
Die Spitze wird geformt, indem man den Stahl hochkant auf den Amboss stellt und mit vorsichtigen Hammerschlägen eine Abschrägung schmiedet. Danach wird der Stahl wieder flach geschmiedet. Man muss diese Schmiede-vorgänge mehrmals wiederholen, um eine schön ausgeformte Spitze zu erzeugen. Man könnte es sich natürlich leichter machen und den Stahl schräg abschneiden. Durch das Schmieden der Spitze aber entsteht ein gün-stiger Faserverlauf, der die Festigkeit der Klinge an der Spitze deutlich verbes-sert. An der Spitze und dem Bereich, an dem sich die Klinge zur Spitze hin verjüngt und dünner wird, ist ein Mehr an Festigkeit durchaus angebracht.
Das Fertigschleifen der Klinge
Bevor der Keil geschliffen wird, muss die Klinge plan gefeilt oder auf dem Bandschleifer plan geschliffen werden. Ist die Klinge plan, kann man die äussere Kontur, also Schneide, Rücken und Angel, herstellen. Bei der Angel mussten wir darauf achten, dass sie sich nach hinten verjüngt, um später das Aufschieben des Griffabschlusses zu ermöglichen. Das exakte Feilen des Ü-berganges von der Klinge zur Angel ist wichtig, da dieser Bereich beim Zusammenbau direkt am Griffabschluss anliegt. Die Flächen müssen eben und rechtwinklig zu den Klingenflanken sein und gegeneinander fluchten. Jetzt kann die Kontur des Keils angezeichnet werden. Dann kommt die Bear-beitung des Keils, der letztlich die Schneide bildet, an die Reihe.
Wir arbeiteten mit verschiedenen Maschinen: Winkelschleifer, Bandschleifer, Wasserschleifer und Polierscheibe. Mit der Hand und mit Hilfe einer Eisenfeile konnten wir dadurch entstandene Schleifspuren wieder entfernen.

Das Montieren des Griffstückes
Für den Griff haben wir ein Stück Hartholz ausgesucht. Um die Lage der Bohrung im Holz zu bestimmen, legten wir die Klinge mit dem aufgescho-benen Parierelement auf den Holzblock und zeichneten die Angel an. Die Linien wurden auf die Stirnseite verlängert und die Breite der Angel angeris-sen. Am Ständerbohrer wurde das Loch ausgebohrt und von Hand nachge-arbeitet. Mit einem Zweikomponentenkleber wurde schlussendlich die Angel im Holzgriff befestigt. Den Holzgriff arbeiten wir mit Raspel und Feile so genau, dass er für unsere Hand passen sollte. Anschliessend kam eine auf-wändige Schmiergel- und Polierarbeit.
Die Anfertigung einer Lederscheide
Wir legten unser fertig gestaltetes Messer auf ein gutes Stück Rindsleder, zeichneten die Umrisse auf und überlegten, wie viel wir noch zugeben muss-ten, damit wir dann eine Scheide zusammennähen konnten. Die Löcher für die Naht mussten wir, da das Leder hart und dick war, mit Hilfe einer Spin-delpresse ausstanzen. Dann wurde eine sogenannte Schusternaht ge¬näht. Am Ende konnte jeder, der es wollte, die Lederscheide noch einfärben und wachsen.
Mit Stolz und Freude konnte dann ein fertiges Messer mit nach Hause ge-nommen werden.

Johannes Marhenke, Werklehrer